Warum Tanken gerade wieder so teuer ist
Diesel kostet in Österreich mit 2,268 Euro pro Liter so viel wie zuletzt im März 2026, Superbenzin liegt bei 1,959 Euro und damit nur noch 14 Cent unter dem Allzeithoch vom Juni 2022. In Deutschland wurden die bisherigen Rekordstände bereits einen Tag früher geknackt. Wer regelmäßig tankt, spürt das im Geldbeutel. Aber warum eigentlich gerade jetzt wieder? Ein Blick auf die Ursachen zeigt: es ist diesmal nicht in erster Linie der Rohölpreis, der die Zapfsäulen-Preise treibt.
Was sind die aktuellen Ursachen?
Am Anfang der Kette steht ein geopolitischer Schock: der seit Sommer andauernde Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA. Ein im Juli ausgehandelter Waffenstillstand zerbrach bereits Anfang Juli wieder, seither blockiert die US-Marine iranische Häfen, während der Iran seinerseits Handelsschiffe in der Straße von Hormuz angreift. In jener Meerenge, durch die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen läuft. Gespräche über eine Wiedereröffnung wurden Mitte September erneut auf unbestimmte Zeit vertagt.
Interessant ist aber, dass der Rohölpreis selbst gar nicht das Hauptproblem ist. Brent notiert aktuell bei rund 108 US-Dollar je Barrel. Das ist zwar rund 50 % teurer als zu Jahresbeginn, aber immer noch spürbar unter historischen Höchstständen wie 2008 (133 Dollar) oder 2022 (123 Dollar). Dass es nicht schlimmer kam, liegt auch an den strategischen Reserven großer Volkswirtschaften. Rund 400 Millionen zusätzliche Barrel wurden freigegeben, um die Versorgung zu sichern. Die internationale Energieagentur bezeichnet die Lage dennoch als eine der größten Bedrohungen für die globale Energiesicherheit überhaupt.
Das eigentliche Nadelöhr liegt weiter hinten in der Lieferkette, nämlich bei den Raffinerien. Rohöl ist verfügbar, aber die Kapazität, es in die richtigen Produkte (allen voran Diesel) umzuwandeln, ist knapp geworden. Mehrere Faktoren kommen zusammen:
- Ausgefallene Kapazitäten: Ukrainische Angriffe haben russische Raffinerien beschädigt, gleichzeitig ist russisches Rohöl durch Sanktionen vom Weltmarkt weitgehend ausgeschlossen.
- Eingebrochene Golf-Exporte: Die US-Blockade hat neue iranische Ölexporte gestoppt. Die Diesel-Ausfuhren vom Persischen Golf lagen im August bei nur noch rund 390.000 Barrel täglich, was kaum einem Viertel des Vorkonflikt-Niveaus entspricht. Russland und der Nahe Osten liefern zusammen rund 1,6 Millionen Barrel pro Tag weniger als noch im Februar.
- Diesel trifft es härter als Benzin: Während Benzin in Europa weitgehend selbst produziert wird, muss ein großer Teil des Diesels importiert werden. Dadurch reagiert der Dieselpreis empfindlicher auf gestörte Handelsströme.
- Leere Lager: Die unabhängig gehaltenen Benzinvorräte im wichtigen ARA-Hub (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) sind auf den niedrigsten Stand seit September 2021 gefallen.
- Rekordhohe Raffineriemargen: Die sogenannten Crack Spreads (der Aufschlag, den Raffinerien für die Verarbeitung verlangen) liegen bei Diesel mit knapp 79 Dollar je Barrel über Brent auf Rekordniveau.
Dazu kommt ein struktureller Sockel, der unabhängig von der aktuellen Krise besteht. Steuern und Abgaben machen nämlich einen fixen Betrag pro Liter aus. In Deutschland etwa 65 Cent Energiesteuer je Liter Benzin bzw. 47 Cent bei Diesel, plus rund 17–18 Cent für CO₂-Minderungskosten (THG-Quote). Diese Fixkosten erklären nicht den aktuellen Preisschub, verstärken aber, wie stark sich steigende Rohstoffpreise am Ende auf den Literpreis durchschlagen.
Wie ist der Ausblick? Entspannt sich die Lage bald?
Kurzfristig eher nicht. Die diplomatischen Gespräche zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz sind gescheitert bzw. vertagt, ein Ende des Konflikts ist derzeit nicht absehbar. Hinzu kommt saisonaler Gegenwind. Im Herbst beginnt die Wartungssaison der Raffinerien, gleichzeitig steigt mit der kälteren Jahreszeit die Nachfrage nach Heizöl, das in denselben Anlagen wie Diesel produziert wird. Auch strengere Winterspezifikationen für Diesel verengen das Angebot zusätzlich.
Dass die Terminmärkte kurzfristige Diesel-Lieferungen derzeit zum mehr als doppelten Preis von Jahresbeginn handeln, zeigt, dass der Markt selbst nicht mit schneller Entspannung rechnet. Sollte sich die Lage am Golf politisch beruhigen, könnten sich die Exporte laut Einschätzungen von Branchenkennern binnen drei bis vier Monaten schrittweise erholen. Das ist aber an eine politische Lösung geknüpft, die aktuell nicht in Sicht ist. Realistisch ist daher, dass die Preise mindestens den gesamten Herbst über angespannt bleiben.
Werden sich die Preise an der Tankstelle ändern?
Tagesaktuell ja. Die Preise an den Zapfsäulen folgen weiterhin den internationalen Notierungen und schwanken, wie jeder TankBillig-Nutzer aus der Preishistorie kennt. Der grundlegende Trend zeigt aber eher seitwärts auf hohem bis weiter steigendem Niveau, solange Raffineriekapazität und Hormuz-Konflikt ungelöst bleiben.
Eingriffe der Politik können kurzfristig etwas abfedern, lösen die Ursache aber nicht. Österreichs „Spritpreisbremse“ (eine um 1,9 Cent gesenkte Mineralölsteuer plus eine Pflicht für Tankstellen, internationale Preissenkungen rasch weiterzugeben) wurde zuletzt bis Ende September 2026 verlängert, ist aber weiterhin befristet und wird von Kritikern angesichts der Größenordnung des Rohstoffschocks als wenig wirksam eingestuft. Ob und wie es danach weitergeht, ist offen.
Welche Auswirkungen hat das auf Wirtschaft, Gesellschaft und den Einzelnen?
Die hohen Energiepreise sind längst kein reines Tankstellen-Thema mehr, sondern ein spürbarer Inflationstreiber. In Österreich lag die Teuerung im August 2026 bei 3,2 Prozent, in Deutschland bei 2,9 Prozent (Kernrate ohne Energie: 2,2 Prozent). In beiden Fällen gelten Sprit- und Heizölpreise als Hauptverantwortliche. Die EZB rechnet in einem Stressszenario sogar mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums im Euroraum auf 0,4 Prozent bei gleichzeitig auf 5,4 Prozent steigender Inflation, sollte sich die Lage weiter zuspitzen.
Für die Gesellschaft bedeutet das vor allem eine ungleiche Belastung. Wer wenig verdient, gibt einen überdurchschnittlich hohen Anteil seines Einkommens für Sprit und Heizen aus und hat oft auch weniger Ausweichmöglichkeiten. Dazu gehören etwa Pendler ohne guten Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Für Unternehmen schlagen sich höhere Transport- und Logistikkosten in praktisch allen Gütern nieder, was die Inflation zusätzlich breiter verankert. Und volkswirtschaftlich drohen Länder mit überdurchschnittlicher Teuerung (wie aktuell Österreich im Vergleich zum Euroraum-Schnitt) Wettbewerbsnachteile für ihre Exportwirtschaft.
Für den Einzelnen bleibt angesichts dieser Gemengelage vor allem eines wirksam: der Preisvergleich. Da sich Tankstellenpreise selbst innerhalt eines Tages und über kurze Distanzen deutlich unterscheiden können, lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Preise in der Umgebung. Genau dafür ist TankBillig da.